Riestedt

           Bilder von Riestedt

             Aufnahmen aus süd-westlicher Richtung.

             Frühling

Sommer

     Herbst

       Winter

Die Bilder lassen sich durch draufklicken vergrößern und     durch erneutes draufklicken auch wieder verkleinern!

   Sehr geehrter Gast,

herzlich Willkommen in unserem Heimatort Riestedt mit seinen rund 1450 Einwohnern. Sollten Sie sich ein bisschen für Riestedt interessieren, möchten wir gern ein paar Informationen über unseren kleinen, aber geschichtsträchtigen Ort voranstellen. Riestedt liegt in einem weiten Talkessel, der im Norden, Osten und Süden von teilweise bewaldeten Höhenrücken umgeben ist und zum Westen hin in die so genannte “Goldenen Aue” mit dem Kyffhäusergebirge übergeht. Bei diesem Talkessel handelt es sich um ein uraltes Riedgebiet (Sumpf - bzw. Feuchtgebiet), das auch den Namen für unseren Ort hergab, denn der Ortsname Riestedt ist abgeleitet von der “Stätte am Ried”. Bereits in einer leider nicht bestätigten Schenkungsurkunde “Karl des Großen”  aus dem Jahre 777 an das Kloster Hersfeld wird die im Friesenfelde bestehende Kapelle bei “Ritstaedi” erwähnt. Die Ersterwähnung des Ortes als “Reotstat” erfolgte dann wieder im “Hersfelder Zehntregister” um 830. Die urkundliche Ersterwähnung von Riestedt, in der Schreibweise “Rietstedi”, wird durch eine am 20. August im Jahre 979 in Allstedt ausgestellte Urkunde Kaisers Otto II. belegt. In  dieser Urkunde überträgt der Kaiser die Kapellen in Allstedt, Osterhausen und Riestedt mit ihrem Zehnt dem Kloster Memleben. Riestedt  ist einer der ältesten Orte in dieser Gegend und Kreuzungspunkt zweier alter Handelsstraßen zwischen Nürnberg - Magdeburg (Salzstraße) und Frankfurt - Leipzig (Messestraße). Die Friesen mit ihren Erfahrungen sollen es gewesen sein, die dieses  Sumpfgebiet trocken legten und den Boden dadurch fruchtbar machten. Wie  Funde aus der älteren und jüngeren Steinzeit belegen, fand eine Besiedelung der Gegend schon im vorchristlichen Zeitalter statt, etwa vor 4000 - 5000 Jahren. Neben der landwirtschaftlichen Nutzung von Grund und Boden (es gab hier auch Hopfen-, Waid- und Weinanbau) muss man unbedingt auch die bergbauliche Nutzung der Riestedter Flur erwähnen. In dieser Gegend wurden Eisenerz, Kohle (Braunkohle) und Kupfererz (Kupferschiefer) abgebaut. Die entlang der Fernverkehrsstraße zwischen Sangerhausen und der Lutherstadt Eisleben auf den Feldern heute noch sichtbaren, bewachsenen Hügel sind Relikte aus dieser Abbauzeit. Im Jahre 2000 gedachte man hier der 800 - jährigen Tradition des Kupferschieferbergbaues.  Riestedt war in der Vergangenheit immer ein Ort, in dem neben den Bauern auch Handwerker und Bergleute ihre Heimstätte hatten. Riestedter Bauern nahmen an der letzten, großen Bauernschlacht am 15. Mai 1525 in Frankenhausen am Kyffhäuser teil. An die “100 besessene Mann” (in Riestedt wohnhafte Männer) waren daran beteiligt. Zu der  Zeit wurde auch das etwa 3 km östlich von Riestedt liegende, besitzreiche “Kloster Kaltenborn” (erbaut 1118) geplündert und teilweise zerstört. Die  unchristliche Lebensart und vor allem die enorme Landannexion der Klosterbrüder hatten Hass und Wut gegen das Kloster ausgelöst. Schwere Zeiten durchlebte der Ort während des “Dreißigjährigen Krieges” insbesondere in den Jahren von 1626 - 1642. Fast menschenleer durch Krieg, Hunger, Pest und Brand entging der Ort gerade noch seinem Exitus. Nur ganz, ganz allmählich kam wieder Leben in die Ortschaft  Riestedt. Die Bevölkerungszahl wuchs wieder und erreichte im Jahre 1885 mit 2090 Einwohnern einen Höhepunkt. Garnison war Riestedt und über etliche Jahre auch Badeort. Leider ist die Heil bringende, eisenhaltige Quelle durch den Bergbau versiegt und aus der Ortsbezeichnung “Bad Riestedt” wurde nichts. Bereits Anno 1446 erkauften sich die Riestedter  Bürger vom Thüringer Landgrafen Georg Wilhelm die Braugerechtigkeit für  138 Stammhäuser (so genannte Reihenbrauerei). Sicher ein Grund mehr dafür, dass Riestedt oft auch als Kuchen- bzw. Küchendorf bezeichnet wurde. Riestedt war bis zum Jahre 2004 Verwaltungssitz des Kaltenborner Gemeindeverbandes (nach dem ehemaligen Kloster Kaltenborn benannt) und verfügte über eine gute örtliche Infrastruktur (Schule, Sporteinrichtungen, Gastronomie, Handwerk, Gewerbe, medizinische Einrichtungen, Vereine usw.). Nach einem kurzzeitigen  Zusammenschluss mit der Verwaltungsgemeinschaft Allstedt entschieden sich die Riestedter Bürger im Jahre 2005 in Rahmen einer Gebietsreform  für die Stärkung der Kreisstadt Sangerhausen und traten als Mitglied dieser Verwaltungsgemeinschaft bei. Leider bestand die Kreisverwaltung Sangerhausen auf der Schließung der Riestedter Schule , obwohl kurz vorher noch erhebliche Mittel in die Gebäude investiert wurden und starker Protest  der Bürger die Schließung zu verhindern suchte. Es handelt sich immerhin bei dieser Schule um den ersten Schulneubau des Kreises Sangerhausen nach dem 2. Weltkrieg, der mit vielen Eigenleistungen der Riestedter Bürger errichtet wurde. Aber durch beharrlichen und aufopferungsvollen Kampf ist es engagierten Lehrern, Schuleltern und Sympathisanten gelungen die Wiedereröffnung der  Riestedter Schule in einer neuen Schulform durchzusetzen. Die Schulbehörde genehmigte eine Ersatzschule für die Klassen 1-4 mit der  Arbeit nach dem Jenaplan. Probleme bereitet der Gemeinde auch z. Z. die hohe Arbeitslosigkeit. Der Turmknopf der hiesigen Wigberti-Kirche (Wigberti war der erste, christliche Missionar in dieser Gegend um  735) enthielt, als man ihn 1745 bei einer Reparatur öffnete, einen schriftlich festgehaltenen, frommen Wunsch an die Bürger, den wir gerne weiterreichen. Es wurde folgendes niedergeschrieben:

    “ Gott gebe, das es allen Wohlergeht, solange dieser Knopf auf                                           dieser Kirche steht”

           Hier geht es zur freien Grundschule Riestedt!

             Die Riestedter Zahlenchronik!

Anno

531 wird durch die eindringenden Franken und Sachsen das Thüringer Reich zerstört, die danach erfolgte Neugliederung bezeichnete die hiesige Gegend als im “Friesenfelde” liegend.

731-737 missionierte der Angelsachse Wigbert, ein Gehilfe des Missionars Winfried Bonifatius, auch hier im Friesenfelde. Die Gründung der Kirche in Riestedt wird ihm zugeschrieben, sie trägt deshalb den Namen:“Sankt - Wigbert

777(2) Erwähnung des Ortsnamen in einer nichtbestätigten Schenkungsurkunde Karl des Großen über die Kirche “Ritstaedi“ Anno 772 oder 777 an das Kloster Hersfeld.

979 Urkundliche Ersterwähnung des Ortes Riestedt in der Schreibweise “Rietstedi” in einer Schenkungsurkunde Kaiser Otto II. an das Kloster Memleben.

1118 Fertigstellung des vom Grafen Wichmann gestifteten Augustiner-Klosters “Caltenborn 3 km südöstlich von Riestedt gelegen.

1347 wird “Niclaus” als “erster Pfarrer” in Riestedt erwähnt.

1446 recht früh erhält Riestedt eine Dorfverfassung, auch als “Dorfeignung” bezeichnet und weitere “stattliche Freyheiten” z. B. eigene “Braurechte und Gerichtsbarkeiten” Erstmals wurden die Privilegien durch Herzog Wilhelm von Sachsen verliehen.“Kuchendorf” beziehungsweise “Küchendorf” wurde deshalb auch etwas neidisch der Ort genannt.

1485 Riestedt kommt zum “Kurfürstentum Sachsen” und bleibt dort bis 1815.

1525 am 15. Mai kämpften über 100 Riestedter Bauern um ihre Freiheit in der “Bauenschlacht bei Frankenhausen”  und fanden hier den Tod. Gleichzeitig wurde das naheliegende Kloster“Caltenborn” geplündert und zerstört.

1539 Die“Reformationer ist abgeschlossen”, der erste evanglische Pfarrer in Riestedt war “Christophorus Weber”.

1576 Riestedt besitzt schon eine “Baderei”.

1626 Das schlimmste “Pestjahr”, es starben 327 Riestedter Einwohner.

1626-1642 der Ort leidet unter den Folgen des “30-jährigen Krieges”, viele Einwohner sind in den Wald und in die Stadt Sangerhausen geflüchtet.

1636 “Brandkatasstrophe”, der Ort brennt bis auf wenige Häuser ab.

1752 wird erstmals die “eisenhaltige Quelle” für Kurmöglichkeiten erwähnt.

1815 Riestedt gehört nicht mehr zu Sachsen sondern zu Preußen.

1945 Riestedt beklagt 150 Tote durch den 2. Weltkrieg.

1948 “2339 Einwohner“, höchste Einwohnerzahl durch Aufnahme von Flüchtlingen.

28.8.1949 Neubau einer Riestedter Schule unter Mitwirkung vieler Einwohner.

1972 Der Ort Riestedt feierte seine falsch belegte Ersterwähnung (772) nach 1200 Jahren.

2002 am 23. Juni Einweihung der neuen Kirchenglocken.

2005 Riestedt wird zum Ortsteil der Stadt Sangerhausen, die Schule wurde geschlossen.

2011 am 1. August, Bescheid des Kulturministeriums über die Anerkennung der neuen Riestedter Schule nach dem Konzept des Jenaplan. 103 Schüler aus dem gesamten Kreisgebiet.

             Luftaufname von Riestedt 1990 aus süd- westlicher Richtung

    Luftaufnahme von Riestedt 2003 aus süd- östlicher Richtung

 Das Riestedter Ortssiegel

Neuere Darstellung

 Ältere Darstellung

Ein kompliziertes Symbol der Dorfgemeinschaft zeigt Riestedt in seinem älteren Ortssiegel von 1798. Ein zweimal quer gestreiftes Roccocoschild zeigt im oberen Felde auf der Teilungslinie und im untern Felde auf dem Schildrande stehend je vier nebeneinandergestellte Laubbäume, anscheinend Lindenbäume, während das Mittelfeld mit Wellenlinien belegt ist. Drücken die Bäume die Dorfgemeinschaft und Dorfgerichtsbarkeit aus, so soll das Mittelfeld jedenfalls in redender Weise an die Entstehung des Ortes im Riede, Gegend in oder am Wasser, das in der Wappenkunst durch stromweise gezogene oder geschobene, ihre gehörige Breite besitzende Linien, die sich von den Schlangenlinien durch ihre geringe Krümmung unterscheiden, ausgedrückt wird, erinnern. Ein später 1840 angefertigter Ortsiegelstempel zeigt ein Schild nicht mehr, wohl aber die Bäume, wiederum in zwei Reihen gesetzt, die aber jetzt ihren heimischen Typus verloren und dafür den von Palmen oder vorweltlichen Farnen angenommen haben. Ob den Bäumen unbewusst diese Form gegeben oder ob dadurch an den reichen Kohlenbetrieb im Riestedter Becken und an die hier öfters gefundenen noch gut erhaltenen vorweltlichen Bäume erinnert werden soll, war nicht mehr festzustellen. Einige mit ihrer Geschichte vertraute Bewohner des Ortes wollen sich letzterer Ansicht anschließen.

     Die Riestedter St.-Wigberti - Kirche

    Die Aquarelle über die Riestedter “St.- Wigberti - Kirche” (Südost- und Nordostansicht) schuf der Riestedter Maler, Reinhold Wagner.

“Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus, hier ist die Pforte des Himmels” - dieses Wort aus dem Alten Testament (1.Mose 28,17) steht über dem Haupteingang der altehrwürdigen St. Wigberti- Kirche zu Riestedt. Und es stimmt! Betritt man die Kirche, so empfängt einen ein hohes Holztonnengewölbe mit bunter Barockbemalung von vorn bis hinten, ein Himmel mit Wolken, die auseinanderreißen und eine Fülle von Engelsgestalten und Engelsgesichtern freigeben, mit vier Hauptbildern in der Mittelachse, die die entscheidenden Heilstatsachen darstellen und uns zeigen, wie man in den Himmel kommen kann (Mose mit den Geboten, das Opfer Christi, der Auferstandene mit der Siegesfahne, die Sonne über dem Altar) und mit erklärenden Bibelworten auf bewegten Schriftbändern. Mit dieser gemalten Evangeliums -Verkündigung an der Decke korrespondiert der Barock-Altar mit seinen lebendigen Figuren: Moses und Johannes der Täufer rahmen ein Reliefbild in der Mitte ein, das Jesus im Garten Gethsemane zeigt, wie er sich in den Willen Gottes hineinbetet. Sein Gehorsam gegenüber Gott, der Gehorsam, mit dem er sich für uns Menschen hingibt - das ist der Schaltpunkt, der “Schlüssel ” zur Pforte des Himmels. Dieses alles haben wir in einem Bauwerk, in dem Jahrhunderte ihre Geschichte geschrieben und die Abfolge der Baustile ihre Zeichen hinterlassen haben. Da sehen wir zugemauerte romanische Fenster in den Bruchsteinwänden des Kirchenschiffes, romanisches Mauerwerk im Turmbereich, und besonders auffallend ist eine rundbogige Türöffnung, von der man nicht weiß, wo sie hinführt. Die Turm - Kapelle mit ihrem nach Osten ausgerichteten Triumph-Bogen weist Übergangselemente von der Romanik zur Gotik auf, während der Chorraum und der obere Turmbereich mit seinen Maßwerk-Fenstern spätgotische Stilelemente erkennen lassen. Der Innenraum der Kirche ist von der barocken Ausmalung und Ausgestaltung geprägt, aber wir haben auch einen Taufstein aus der Renaissance-Zeit und einen weiteren Taufstein aus Marmor in reinem Klassizismus, 2 Kronleuchter aus den Gründerjahren und...und...und. Es ist ein ganz großer Reichtum, der sich uns in der Riestedter St. Wigberti-Kirche darbietet - ein Reichtum an Geschichte, Baugeschichte und Stilrichtungen und vor allem an biblischer Verkündigung, die unmittelbar die Herzen anspricht. Viele Generationen haben an diesem Gotteshaus gebaut, repariert, geändert und immer wieder ihr Verständnis der Frohen Botschaft eingebracht. Die Riestedter Kirche liegt wie der ganze Ort an der alten Handelsstraße von Erfurt nach Magdeburg, die schon in ältesten Zeiten Teil einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung war. Das Gotteshaus ist dem heiligen Wigbert geweiht, einem Zeitgenossen und Mitmissionar des Bonifatius, dem Apostel der Deutschen. Beide stammen aus Südwest-England und beide gehören in die große Schar der angelsächsischen Missionare, die im 8. Jahrhundert Verwandtschaft, Heimat und Besitz verließen, um “für Christus zu wandern” (peregrinatio propter Christum). Sie waren von dem brennenden Verlangen erfüllt, ihren heidnischen Stammesverwandten auf dem Festland die gute Botschaft von der Liebe Gottes in Jesus Christus zu bringen und das in wahrhaft europäischen Dimensionen! Bonifatius, der im Jahre 719 vom Papst in Rom für die Missionstätigkeit im Hessen/Thüringer Raum besonders beauftragt worden war, hatte um das Jahr 730 einen Hilferuf um Mitarbeiter in sein Kloster nach England gesandt. Wigbert gehörte zu denen, die den Weg und die Entfernung nicht scheuten und nach Mitteldeutschland herüberkamen. Bonifatius setzte Wigbert zum Schulvorsteher und Abt im Kloster Fritzlar ein,das dann offensichtlich zum Standquartier seiner Missionstätigkeit wurde.  Eine Reihe von Wigberti-Kirchen bis in die Nähe von Eisleben lässt vermuten, dass Wigbert Missionsreisen bis in unsere Gegend unternommen haben könnte. Auch die Gründung der Riestedter Kirchengemeinde könnte auf ihn zurückgehen (um 740). Auf jeden Fall wird Riestedt mit seiner Wigberti-Kirche, die wohl zu einem königlichen Reichshof gehörte, in etlichen wichtigen Urkunden des 8.-10. Jahrhunderts (Karl der Große, Otto II) erwähnt, was auf eine besondere Bedeutung schließen lässt. Zuerst wurde nach der Gründung der Kirchengemeinde wohl nur eine schlichte Holzkirche gebaut, bis man um 1150 aus Bruchsteinen eine romanische Kirche errichtete. Da sich nach der Reformationszeit dieses Kirchengebäude als zu klein erwies, baute man ab 1556 um und an. Vor allem wurde ein neuer Chorraum angefügt (Baumeister: Hans Ecke, Riestedt), 1571 erfolgte der obere Teil des Kirchturmes (gotische Maßwerkfenster), 1574 die Kirchhofsmauer. Die Steine zum Bau holte man von dem aufgehobenen Kloster Kaltenborn bei Emseloh und noch heute sind Säulenreste und verzierte Steine an der Riestedter Kirche und in der Kirchhofsmauer zu entdecken. Auch im Kircheninnenraum gab es mancherlei Veränderungen: 1584 wurde eine neue Orgel angeschafft, 1597 ein Sandstein-Taufstein mit der Inschrift: “Lasset die Kindlein zu mir kommen” (Renaissance), 1605 wird die Kirche gemalt. An der Wand hinter dem Altar ist ein sehr fein gearbeiteter Epitaph-Stein von 1570 eingelassen zum Gedenken an Bastian Spiegelberg, einem Geldgeber für die Bauarbeiten, und ein eindrucksvolles Abendmahlsgemälde stammt auch aus jener Zeit (Manierismus, ca.1580). Eine nächste große Umgestaltungsphase vollzog sich wie bei so vielen Kirchen in der Barockzeit. 1673 wurde die Kanzel gestiftet (fast noch Renaissance), 1704 eine neue Orgel gebaut, ab 1717 die Fenster und Türen verändert und erneuert, dabei auch 4 Dachgaupen eingebaut, 1735 die Holztonnendecke gemalt - mit der ganzen Heilsbotschaft von der Liebe Gottes (Maler H. Bergmann), dazu die Emporen mit Bibelsprüchen und Ranken bemalt (Maler Wagner aus Breitungen), 1744 der Barock-Altar aufgestellt (Bildhauer Großmann-Lodersleben). Auch an den Emporen nahm man entscheidende Umbauten vor (1734). Diese barocke Ausgestaltung gibt der St. Wigberti-Kirche noch heute ihr entscheidendes Gepräge, wenn auch manches verändert, weggenommen oder dazugekommen ist. So setzte man 1829/30 beim Bau der jetzigen Orgel dieses Instrument auf die Westseite der Kirche und baute extra eine Empore dafür ein. Vorher stand die Orgel hinter und über dem Altar. Orgelbauer: W. Maurer aus Rettgenstedt. (Mechanische Schleifladen-Orgel). Auch die barocke Deckenmalerei war zwischendurch zugeputzt und wurde erst bei einer Renovierung 1924-27 wieder freigelegt. 1863 wurde ein sehrschöner hell und dunkel gemaserter Marmor-Taufstein aufgestellt, der sich jetzt in der Turm-Kapelle befindet. In den 60-ziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde wegen Schwammbefall die obere Empore hinter dem Altar weggenommen und wegen Materialknappheit wurden 3 Dachgaupenfenster im Altarraum geschlossen, wodurch die Kirche einen recht düsteren Eindruck machte. Um so dankbarer sind wir, dass wir mit Hilfe von etlichen Fördermittelstellen anlässlich einer dringend notwendigen Dach-Sanierung die 3 Dachgaupen wieder einbauen und öffnen konnten! Nun strahlen der Altar und die gemalte Sonne über ihm und die ganze Deckenmalerei in neuem Glanz, das Licht fällt auch ganz neu auf den auferstandenen Christus, und man wird an einen Ausspruch aus dem Kreis der angelsächsischen Missionare um Wigbert erinnert: “Christus ist die ewige Sonne; er macht das Volk heil von den Sünden und entzündet durch die Glut des Heiligen Geistes ein Feuer auf Erden”. Es ist faszinierend, wie dieser Grundgedanke der angelsächsischen Mission und des Evangeliums überhaupt in der traditionsreichen Riestedter St. Wigberti-Kirche durch die vielen Jahrhunderte hindurch umgesetzt, zum Ausdruck gebracht und bis heute bewahrt worden ist ! Lassen wir diese Kirche der angelsächsischen Mission zu uns reden, lassen wir uns anrühren von der Liebe Gottes und der Hingabe Jesu Christi, damit auch in unserem Leben die Sonne aufgeht ! Und tragen wir unseren Teil bei, um diese Kirche der Nachwelt zu erhalten! Sie birgt außen und innen noch viele Geheimnisse und interessante Einzelheiten (Gebeinhaus, Grabdenkmäler, Uhrwerk, umgesetzte Emporen) und sie lädt ein zur Stille und zum Gebet. Lassen Sie sich einladen

                                                         (von Anna Maria Hoyer, Riestedter Pastorin i. R.)

       geb.15.06.1935 tödlich verunfallt am 01. 09. 2011 bei einer Fahrt von Görlitz nach Wünsdorf

       Die St.Wigberti-Kirche ist im Sommer zu den Gottesdiensten geöffnet - außerdem sind Vereinbarungen möglich.

 

Etwas über St. Wigberti den Namensgeber unserer Kirche.

Der angelsächsische Mönch Wigbert wurde um 680 in Wessex in England geboren und im Kloster Glastonbury erzogen. Sein Name bedeutet soviel wie - der im Kampf Glänzende. Wigbert  missionierte zusammen mit dem wohl bekannteren Mönch Winfried Bonifatius in Hessen und Thüringen. Er wurde Abt im 732 gegründeten Kloster Fritzlar und im Kloster Ohrdruf, wo er eine Missionarsschule gründete. Gestorben ist er 737 oder 738 in Fritzlar, wo er auch beigesetzt wurde. Folgende Legende wird über ihn erzählt: Als einmal kein Wein für die Messe vorhanden war, pflückte Wigbert eine Traube von einem imaginären Weinstock, presste sie über dem Kelch aus und steckte eine nicht zerdrückte Beere vor der Kirche in den Boden; ein mächtiger Weinstock soll daraus gewachsen sein. Das ist sicher auch der Grund, warum er auf obenstehenden Standbild mit einer Weintraube in der Hand dargestellt wurde. Ob Wigbert selbst in Riestedt gepredigt hat, ist leider nicht überliefert. Er gilt aber allgemein als Apostel des Südharzes.

                                                               Was wäre wenn?

Was wäre ein Weimar ohne seinen Goethe, Halle ohne Händel, Eisleben ohne Luther? Die Frage drängt sich auf und ergibt sich logischerweise, wenn man nach dem Bekanntheitsgrad dieser Städte fragen würde. Mit Sicherheit müssten dann Abstriche hinsichtlich der Popularität und Bekanntheit der Orte gemacht werden, wenn nicht solche großen Geister, wie oben angeführt, in ihren Mauern gelebt und gewirkt hätten. Das heißt, es ist für einen Ort schon wichtig und auch von der Geschichtsauffassung her sehr interessant zu wissen, welche Persönlichkeiten wann, wo und wie in ihm gewohnt, gelebt und gearbeitet haben. So ist es verständlich, dass die Frage aufkam, ob es in unserer kleinen Gemeinde Riestedt in der Vergangenheit nicht auch Menschen gegeben hat, die, auf welchem Gebiet auch immer, sich hervorgetan haben und eventuell auch, wie obige Größen, zum Ansehen und zum Bekanntheitsgrad unseres Ortes beitragen könnten. Und um es gleich vorweg zu nehmen, es gab Sie. Wir wollen Sie aus Ihrer Vergangenheit und wirklich unverdienten Vergessenheit, in die Sie, teils aus politischen, teils aus religiösen Gründen und teils auch aus Gleichgültigkeit geraten sind, in die Gegenwart zurückrufen und den heutigen Menschen vorstellen und nahe bringen (was ja sicher auch eine schöne und interessante Aufgabe für einen Geschichtsverein ist).

 Bitte, klicken Sie auf die Noten, wenn Sie ein Ausschnitt aus dem  Largo von Johann Friedrich Fasch hören möchten.

                                     Die Pfarrersfamilie Fasch (Faschius)

Zu Pfingsten Anno 1581 wird in Riestedt ein neuer Pfarrer berufen. Er nennt sich Martinus Faschius und war bereits schon einmal in Riestedt in der Zeit von 1558 - 1561, damals allerdings als Schulmeister. Danach wurde er zum Pfarrer von Emseloh ordiniert (20 Jahre war er dort), nun kehrte er nach Riestedt zurück. Dieser Martinus Fasch, auch Faschius genannt (die latinisierte Form des Nachnamens, wie es zu seiner Zeit oft gehandhabt wurde), stammte höchstwahrscheinlich aus Weida im Vogtland, hatte in Halle die Schule besucht und in Jena und Leipzig studiert. Er war verheiratet und soll 10 Kinder gehabt haben. In seiner Biographie wird besonders erwähnt, dass er ein Unterzeichner der Konkordienformel war. Die Konkordienformel (Concordia, lat. - die Eintracht), deshalb auch Eintrachtformel genannt, war von führenden Theologen der damaligen Zeit erarbeitet worden und sollte die Zerwürfnisse zwischen der Lutherischen und der Melanchthonschen Theologieschule nach Luthers Tod ausgleichen. Unser Pfarrer Faschius hat sich also neben seinen örtlichen, seelsorgerischen Tätigkeiten auch noch mit der großen “Politik” befasst. Er starb am 14. August 1602 in Riestedt und liegt auch hier begraben. Was ihn aber für uns auch heute noch interessant macht, ist die Tatsache, dass er im wahrsten Sinne des Wortes der Stammvater von Generationen hervorragender Persönlichkeiten, wie Pastoren, Professoren, Ärzten, Musikern und Bürgermeistern ist. Der Stammbaum der Familie Fasch, ausgehend von unserem Riestedter Martinus Faschius, ist offenbar so außergewöhnlich, dass er auch in Leipzig bei der Zentralstelle für Genealogie (Ahnenforschung) vorliegt. Aus der Vielzahl seiner hervorhebenswürdigen Nachkommen seien hier einige genannt:

- Martin Fasch (ein Sohn) 1561 in Riestedt geboren, wurde Decan in Schraplau.

- Augustinus Fasch (ein Enkel) 1599 in Hauteroda geboren, wurde Magister und Archidiakonus in Arnstadt.

- Christoph Johann Fasch (ein Enkel) 1616 in Hauteroda geboren, wurde Dekan und Superintendent in                                                                Heldrungen. Er hat drei Bücher im Druck hinterlassen, beschreibt die vier                                                                      Belagerungen und Eroberungen von  Heldrungen während des 30-jährigenKrieges.

-Theodor Fasch (ein Urenkel) 1636 in Arnstadt geboren, Prof. der Botanik, Chirurgie und Medizin, wurde                                               Rektor der Universität Jena, Fürstlich - Sächsischer Leibarzt, Verfasser von medizinischen                                              Schriften und Trostgedichten.Und nicht zuletzt, die wohl berühmtesten Faschs 

- Johann Friedrich Fasch und sein Sohn Karl Friedrich Fasch, über sie wurde folgendes aus                                                                         einen Lexikon  entnommen:

 

 -Johann  Friedrich Fasch (15.04.1688 - 05.12.1758) Komponist; seit 1722 Hofkapellmeister in Zerbst; schrieb  Suiten, Sinfonien, Kantaten u. a., die                                auch von J. S. Bach geschätzt wurden.

- Karl Friedrich Fasch (18.11.1736 - 03.08.1800) Komponist und Dirigent; Sohn von J. F. Fasch gründete 1791 die Berliner Singakademie, mit der er J. S. Bachs Werke aufführte und wegweisend für die Entwicklung des deutschen Chorgesangs wurde. Die Abstammung dieser beiden berühmten Musiker vom Riestedter Pfarrer Martinus Faschius ist erst kürzlich von der “Internationalen Fasch - Gesellschaft e. V.” in Zerbst bestätigt worden. Diese Gesellschaft wurde 1991 mit dem Ziel gegründet, das Leben und Werk von Johann Friedrich und Karl Friedrich Fasch zu popularisieren. Seit 1993 werden aller zwei Jahre Internationale Festtage zu Ehren von Johann Friedrich und Karl Friedrich Fasch veranstaltet. Die Gesellschaft, in Zusammenarbeit mit der Stadt Zerbst, verleiht Fasch-Preise und führt in Zerbst, der Wirkungsstätte von Johann Friedrich, internationale, wissenschaftliche Konferenzen durch. Das Fasch-Archiv in Zerbst ist Anlaufstelle für Wissenschaftler, Künstler und Musikliebhaber.

Fasch2

Informationen der Internationalen-Fasch-Gesellschaft e.V. in Zerbst

Riestedter Impressionen mit den Augen eines Malers wahrgenommen.

Nachstehende Aquarelle zeigen Arbeiten aus dem langjährigen Schaffen des Riestedter Malers Reinhold Wagner. Herr Wagner wurde 1931 in Riestedt geboren, ging hier zur Schule, erlernte einen  handwerklichen Beruf und hat sich auf autodidaktischen Weg seine malerischen Fähigkeiten erworben. Kontakte zu seinen hiesigen Malerkollegen förderten seine Gestaltungsmöglichkeiten. Ausstellungen seiner Bilder in Sangerhausen, Schwabach, Rodenkirchen und Dillenburg  fanden auch in Fachkreisen Anerkennung. Die Landschaftsbilder, im Format A3 gehalten, zeigen besonders schön die                                                            farbliche Gestaltungsmöglichkeit des Malers.

   Zur Vergrößerung und Wiederverkleinerung                     bitte auf die Bilder klicken!

Der Ort Riestedt, Blickrichtung Südwest. Im Hintergrund das Kyffhäusergebirge mit der angedeuteten “Thüringer Pforte”

Der Ort Riestedt, in Blickrichtung West. Im Hintergrund das Kyffhäusergebirge und die Halde des stillgelegten “Thomas Münzer Schachtes” (Kupferbergbau).

Frühjahr

Sommer

Herbst

 Winter