Sagen, Sitten und GebrÀuche

Die ErzĂ€hlung von “Nappian” und “Neucke”

Im Jahre 1199, so verkĂŒndet eine Legende, sollen zwei junge Burschen durch den Harz gewandert sein,  um ihr GlĂŒck zu finden. In einem Wald, nicht weit von Hettstedt, wurden  sie von Wegelagerern ĂŒberfallen.  Einer wurde mit dem Pfeil an der Schulter verletzt. Bevor Schlimmeres passieren konnte, vertrieb der andere die Bösewichte beherzt mit seinem Knotenstock und verband die Wunde des Kameraden. Bei einem Köhler, der mit seiner Familie in  der NĂ€he wohnte, fanden die Wandernden freundliche Aufnahme. Bis der Verletzte genesen war, revanchierte sich der andere bei dem Köhler  fĂŒr die Gastfreundschaft, indem er ihm bei der Arbeit zur Hand ging. Dabei stieß er in einem  abgebrannten Kohlenmeiler auf einmal auf einen unglaublichen  Fund. Er zweifelte nicht, dass es sich bei diesem glitzernden Gesteinsbrocken genau darum handelte, wonach er mit seinem GefĂ€hrten gesucht hatte - Kupferschiefer. Der  erstaunte Köhler hatte keine Ahnung von den SchĂ€tzen, die ihn  schon lange umgaben und berichtete dem Fremden, dass er so etwas immer  finde, wenn er einen Baum fĂ€llt. Um ganz sicher zu sein, wurde das  gefundene ErzstĂŒck untersucht. Es war tatsĂ€chlich Kupfer. Wieder gesund, stand bald der zweite junge Bergmann seinem Kumpel zur Seite, der schon damit begonnen hatte,  einen Schacht zu graben. Der Kupferschieferbergbau im Mansfelder Land war geboren und lieferte reiche  Ausbeute fĂŒr lange Zeit. Ob es sich bei dem Dargestellten  tatsĂ€chlich um die BegrĂŒnder des Mansfelder Kupferschieferbergbaus  handelt, darĂŒber mögen die Gelehrten streiten.  

N+N

“Nappian” und “Neucke” Konsolfiguren der Kapelle bei Welfesholz (gestiftet 1289)

Die Sage von den goldenen Eiern

Im Kloster Kaltenborn brĂŒtete eine weiße Gans 12 goldene Eier. Das Tier durfte außer den KlosterbrĂŒdern niemand sehen,  kriegte es ein Laie zu Gesicht, musste das Kloster untergehen. Darum wachte Tag und Nacht ein Mönch vor dem Nest. Eines Tages kamen drei adelige Schwestern vor das  Tor geritten und begehrten Einlass. Da alle BrĂŒder fort waren, öffnete  der WĂ€chter. Gleich fingen die drei an:  “Lass uns die Gans sehen! “ Der WĂ€chter lehnte ab, aber die drei bettelten und schmeichelten, da gab der WĂ€chter nach und er zeigte das Wunder. Die Damen schworen es nicht zu verraten. Ein Jahr verging, nichts passierte. TĂ€glich und stĂŒndlich ging der Bruder WĂ€chter zur Gans. Tier und Eier  blieben unverĂ€ndert. Aber eines Morgens quĂ€lte ihn ein schwerer  Traum. Gleich nach dem Erwachen ging er zum Nest. Die Gans war fort.  Eine schwarze Katze kroch ihm zwischen die Beine und die Eier waren schwarz. In Angst nahm er seinen Stab und verließ das Kloster. Wie war es gekommen, dass erst  nach einem Jahr der Fluch wirken wĂŒrde? Die jĂŒngste Grafentochter hatte an diesem Tag ihren Eid gebrochen und ihrem Vater ĂŒber das Wunder erzĂ€hlt. Der wusste was nun kommen wĂŒrde. Voll Grauen stĂŒrzte er sich von den Zinnen seiner Burg. Seine 3 Töchter gebaren kein Leben und verwelkten. Das Kloster verfiel. In seinen TrĂŒmmern haust eine schwarze Katze.

Goldene GĂ€nse und  Enten, goldene Eier sind Schutzgeister, lebend in das GemĂ€uer gebracht, sind sie in der Vorstellung des                                                                            Volkes gĂŒlden geworden.

Die Geschichte vom RĂ€uberhauptmann Balthasar Hake

(Balthasar Hake, im Volksmund auch “Balsternack” genannt)

Im DreißigjĂ€hrigen Kriege  stand die Gegend zwischen Riestedt und Annarode wegen der Wegelagerer und Klopffechter im ĂŒblen Rufe; man nannte die Straße Klopfgasse. In ihrer NĂ€he sieht man unter einer hohen Eiche eine ziemlich verschĂŒttete Höhle, Balthasar Hakes Grube genannt. Damit hat es folgende Bewandtnis: Ein verwahrloster Knabe zu Riestedt, der immer schon seine Mutter und seinen Lehrer geĂ€rgert  hatte, verschwand eines schönen Tages aus seinem Orte. Nun waren schon frĂŒher auf der Klopfgasse oftmals Wanderer ausgeraubt worden. Jetzt aber wurden die ÜberfĂ€lle  hĂ€ufiger, und die DiebstĂ€hle in der Umgebung nahmen zu. Man fĂŒrchtete,  eine ganze RĂ€uberbande  mĂŒsse hier hausen, konnte sie jedoch nicht entdecken. Da bemerkte eines Morgens ein Riestedter in der Klopfgasse einen MĂ€nnerhut. Als er ihn aufheben wollte, sprangen zwei MĂ€nner herbei, banden ihn und fĂŒhrten ihn in ihre Höhle. Dort hielt der Hauptmann der Bande schon das Schwert entblĂ¶ĂŸt. Als ihm der  Gefangene ins Gesicht blickte, erkannte er seinen ehemaligen  Schulkameraden  Balthasar Hake, von dem man nichts mehr gesehen und gehört hatte, seitdem er als Knabe verschwunden war. Er erinnerte ihn  an die Jugendspiele und bat um sein Leben. Das rĂŒhrte den RĂ€uber; er ließ ihn einen Eid schwören, nichts zu verraten, und jagte ihn dann nach Hause. Von der Zeit an war das Wesen jenes Mannes vollstĂ€ndig geĂ€ndert, und jeder sah es ihm an, dass er ein Geheimnis bei sich trug; aber auf Fragen blieb er stumm. Da ward er einmal ernstlich krank und verlangte nach dem Trost des Geistlichen. Als dieser kam, redete er ihm ins  Gewissen, konnte aber nichts erfahren. Da ermahnte ihn der Geistliche,  es wenigstens Gott anzuvertrauen, wenn er es Menschen nicht verraten  wollte. Das tat der sterbende Mann, und so erfuhr es der Pastor. Er machte der Obrigkeit Anzeige, und die RĂ€uber wurden in ihrer Höhle mit ihrem FĂŒhrer Balthasar Hake mit brennendem Schwefel erstickt.

Der Mansfelder Chronist Cyriacus Spangenberg schreibt zu Beginn des Mansfelder Bergbau

“Anno 1200. Umb diese Zeit / hat sich das Bergwerck in der Graffeschafft Mansfeld / nicht weit von Heckstedt angefangen / Da zwene Berghewer /  deren einer Necke oder Neucke / Der ander Napian mit  Zunamen geheißen / Die ersten Schieffern gelanget / und als dieselben in der Proba recht gefunden worden / ir vermögen / und was sie gehabt / daran gewand / und also das Bergwerck zu bawen angefangen / und weil es gut Kupffer geben hat / ist derselbige ort der Kupfferberg genand worden / und hat bis auff diesen tag den Namen behalten / Und ist mueglich / das der Graffe und Herr von Arnstein / als er davon auch reiche Außbeute zu gewarten gehabt / dazumal das Schloß Heckstedt an der Wipper gebawet habe / und als der Berg in schwang kommen ist / und gewaltig gebawet /  auch von Bergleuten ein Zulauff worden / das darĂŒber auch Heckstedt zu  einem Stedtlin worden / und danach von tag zu tag mehr und mehr zugenommen hab.“

Wie der Name „Mansfelder Land„ entstand!

Die Sage berichtet,  dass einst Kaiser Heinrich sein Hoflager auf der Burg bei Wallhausen in der Goldenen Aue abhielt. Einer seiner Mannen hatte sich um ihn sehr verdient gemacht und durfte sich eine Gnade ausbitten. Da bat er um ein StĂŒck Feld zu Eigentum in der GrĂ¶ĂŸe, wie er es mit einem Scheffel Gerste umsĂ€en könne. Der Kaiser bewilligte dem Ritter diese Bitte, und der sĂ€te sorgfĂ€ltig  Körnchen um Körnchen. Als er fertig war, hatte er ein sehr  großes Gebiet umsĂ€t. Das erweckte den Neid der ĂŒbrigen Hofleute, und sie versuchten den Kaiser gegen den Ritter zu stimmen. Doch  Heinrich lachte und meinte: "Gesagt ist gesagt. Das ist des Manns Feld!" Damit hatte er dem Land einen Namen verliehen, und der neue Besitzer konnte sich nun Graf von Mansfeld nennen. In das Wappen wurden die Gerstenkörner (dargestellt durch die Rauten bzw. Wecken im Schild) mit aufgenommen.

Die Sage von der Schlossfrau in Schobesdorf

(wĂŒstes Dorf bei Riestedt)

Geht man von Riestedt kommend die Kloppgasse hinauf und biegt auf der Höhe rechts ab, so liegt im Wald die wĂŒste Kirche. Das ist die StĂ€tte des ehemaligen Dorfes Schobesdorf oder Schobesfeld. Als das Dorf noch stand, erhob sich bei demselben auch ein prĂ€chtiges Schloss. Aber  seine Besitzer starben aus und zuletzt gebot eine alte Frau ohne  leiblichen Nachkommen darin als Herrin. Wiewohl ihr Reichtum unermesslich war, so gab sie doch gar keine oder nur spĂ€rliche Almosen. Einst sprach ein kranker, hungriger Bettler sie um eine Gabe an, aber die Herrin des Schlosses wies ihn ab und  forderte ihn auf, sofort den Hof zu verlassen. Der Bettler zögerte zu gehen: Da gebot sie den Knechten, die Hunde auf ihn zu hetzen. Eilig ergriff der Bettler die  Flucht, aber im Weggehen rief er ergrimmt: „So wollte ich doch, dass du in Ewigkeit deine GeldsĂ€cke  bewachen mĂŒsstest!“ Sein Wort ging in ErfĂŒllung. Als sie gestorben war, vermochte ihr Geist nicht, sich von ihnen zu trennen.  Auch jetzt noch, obwohl Schloss und Dorf schon lange in Schutt und Asche gesunken sind, ist sie an die  StĂ€tte gebannt, wo ihre SchĂ€tze lagern. Jede Mitternacht geht sie mit ihrem SchlĂŒsselbunde und sieht nach ihren  GeldsĂ€cken. Aber nur alle fĂŒnfundzwanzig Jahre darf sie solchen  erscheinen, die um Mitternacht zufĂ€llig vorĂŒbergehen und nur derjenige kann sie aus dem Banne erlösen und Herr ihrer SchĂ€tze werden, der ohne Grauen eine Kröte, eine Schlange und einen Hund zu kĂŒssen sich getraut.

SchatzgrÀber im Kloster Kaltenborn

Zwischen Blankenheim und Emseloh begegnete einst ein alter Mann einem Fuhrwerke und bat den Knecht, ihn eine Strecke weit mitzunehmen, was dieser auch bereitwillig tat. Als nun der Alte in der Gegend von  Emseloh den Wagen wieder verließ, sagte er dem Knecht, er könne  ihm kein Trinkgeld geben, werde ihn aber auf andere Weise entschĂ€digen. Er solle nur um die 12. Nachtstunde nach den TrĂŒmmern des Klosters Kaltenborn gehen, wo ihm ein brennend Lichtlein erscheinen werde. Wenn er da nachgrabe, werde er einen Schatz finden. Nun saß auch ein Bergmann mit auf dem Wagen. Der hatte alles mit angehört und stieg bald danach unter einem Vorwand vom Wagen. Schnell begab er sich nach dem Kloster, sah das Licht und fand auch beim Nachgraben  den Schatz. Als er ihn aber ergreifen wollte, biß ihm ein schwarzer Hund die fĂŒnf Finger der rechten Hand ab, und er mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen. Als bald  danach auch der Fuhrmann kam, konnte dieser den Schatz heben.

Die Beichte im Kaltenborner Klostergarten

EigentĂŒmliche Dinge spielen sich in stĂŒrmischen  NĂ€chten im Klostergarten von Kaltenborn ab, wo nicht selten ein blaues  FlĂ€mmchen vor den Wanderer auftaucht, das ihn nĂ€her und nĂ€her zieht, ob  er will oder nicht, so daß  er Zeuge von Dingen wird, die dort vorgehen. Ein Geschwisterpaar hatte vor langer Zeit miteinander SĂŒnde getan. Der Bruder ging aus Reue als Mönch in das Kaltenborner Kloster und flehte alltĂ€glich Gott um  Vergebung. Aber Friede hat er trotzdem nicht gefunden. Als Geist muß er Nacht fĂŒr Nacht mit seiner Schwester Buße tun. Als blaue Flamme kommt diese an sein Grab, um ihn zur Buße zu rufen, worauf er seufzend erscheint. Dann erscheint ein KnĂ€blein, daß den Mönch  auffordert, worauf er niederkniet und seine SĂŒnde beichtet. Hat  er seine Schuld vollbracht, so erlischt die blaue Flamme, das KnĂ€blein  weist weinend zum Himmel und alles verschwindet. Nun kann auch der Wanderer weiterziehen. Nicht eher  können die Schuldbeladenen erlöst werden, als bis ein frommes  Paar sich unter dem Segen Gottes zusammengeben lĂ€ĂŸt und ein Jahr  beisammenwohnt, ohne sich zu berĂŒhren. Erscheinen sie dann in Kaltenborn, so sind die Geschwister erlöst,  dem Ehepaar aber winken große SchĂ€tze, die im Klostergarten  vergraben sind.

  Goldsucher

entnommen aus einem Zeitungsartikel der MZ vom 7. Mai  2012

 

                                                                                    

Nach einer alten Sage wurden hier im SĂŒdharz vor vielen Jahrhunderten fremde Bergleute, “Venediger” genannt, auf der Suche nach Gold  fĂŒndig. Sie sollen bei einem Schneider in Schwenda ihr Quartier gehabt haben. Jeden Morgen gingen sie aus dem Haus und kehrten erst spĂ€t Abend zurĂŒck. Das machte den Schneider neugierig und er wollte gern wissen, wo sie den Tag verbrachten. Das aber hatten ihm die Bergleute verboten. Der Schneider folgte heimlich und sah, wie sie am “GĂŒldenen Altar” im Berg verschwanden und dort nach Gold und Silber gruben. Eines Tages, die Bergleute waren in ihre Heimat zurĂŒckgekehrt, holt er sich auch von den SchĂ€tzen und begann ein “lustiges Leben” zu fĂŒhren. Das bemerkten die “Venediger” aber nach der RĂŒckkehr. Man stellte den Schneider zur Rede, er leugnete alles ab, wurde aber von ihnen ĂŒberlistet. FĂŒr seine Tat schlug man dem Schneider zur Strafe die Hand ab.

Anmerkung: Die Bezeichnung “Venediger” ist sehr gebrĂ€uchlich fĂŒr Mineralsucher des 15. bzw. des 16. Jahrhunderts. Sie beinhaltet Namen wie GraumĂ€nnchen, Mandl, Venezianermandl, Venezianer,           CuxgĂ€nger, ErzmĂ€nnchen, Walen, Welsche, BergmĂ€nnchen, insgesamt kennt man ĂŒber                                                       70 Bezeichnungen bzw. Namen fĂŒr die Schatzsucher.