Die Entstehung
Am Anfang war die varizische Orthogenese, die Auffaltung eines mächtigen Faltengebirges, das durch die Kollision mehrerer Kontinentalplatten entstand. Das war vor ca. 300 Millionen Jahren. Dieses varizische Hochgebirge hatte eine durchschnittliche Höhe von 5000m, in etwa wie das Hochland von Tibet heute. Jedoch setzte unmittelbar nach der Auffaltung auch gleich wieder die Abtragung dieses Hochgebirges ein. Die Abtragung war schon zum Ende des Perm (vor ca. 260 Millionen Jahren) soweit abgeschlossen, dass von dem Hochgebirge nur noch einzelne Gebirgsstümpfe übrig waren und sich in den Senken und Becken verwittertes Gestein abgelagert hatte. Da sich gegen Ende des Perm Teile Europas senkten, wurden weite Bereiche der Ebene zwischen den Gebirgsstümpfen von dem flachen Zechsteinmeer überflutet. Die Verbindung dieses Meeres zum Ozean, wurde dann unterbrochen und da ein arides Klima herrschte, es war heiß und trocken und es verdunstete mehr Wasser als durch die Niederschläge dazu kam. So trocknete das Meer aus und Meeressedimente lagerten sich ab. Die unterste dieser Sedimentschichten hatte für unsere Gegend dann eine ganz besondere Bedeutung, es war der Kupferschiefer. Darauf folgten Zechsteinkalk, Anhydrit, Steinsalz und Kalisalz. Vor ca. 85 Millionen Jahren wurde der Harz dann wiederum gehoben als Teil der saxonische Bruchschollentektonik und wieder setzte auch sofort die Erosion ein. Als Teil dieser Bruchschollentektonik bildete sich ein Becken zwischen den südöstlichen Ausläufern des Harzes und den Ausläufern des Hornburger Sattel. In diesem Becken, in dem Riestedt und Emseloh liegen, kam es schon vor Millionen von Jahren zur Auslaugung der im Zechstein abgelagerten wasserlöslichen Gebirgsschichten wie Kali- und Steinsalz und Anhydrit. Auch hat der in diesem Becken unter den löslichen Gebirgsschichten abgelagerte Kupferschiefer keinen abbauwürdigen Kupfergehalt, bergmännisch gesprochen, hat der Kupferschiefer hier die rote Fäule. Durch diese Auslaugungen bildete sich in dem Becken ein Sumpf und Moorgebiet, in dem es im Tertiär vor ungefähr 66 bis 3 Millionen Jahren unter teilweise tropischen Wetterbedingungen zu einem üppigen Pflanzenwachstum kam. Aus den Ablagerungen dieser Pflanzen entstand durch Inkohlung die Braunkohlelagerstätte. Es bildeten sich insgesamt fünf Braunkohleflöze (übereinander gelagerte Schichten), die von Ton und Kies Ablagerungen unterbrochen wurden. Auch innerhalb der einzelnen Flöze sind gering mächtige Tonbänder vorhanden. Die Kohle setzt sich in allen Flözen aus zwei verschiedenen Kohlesorten zusammen, aus der Moorkohle, die eine mineralische Struktur hat und dem bituminöses Holz, das eine holzartige Struktur hat, die Moorkohle umschließt das bituminöse Holz.
Der Braunkohle-Bergbau
Der Bergbau im Gebiet Riestedt-Emseloh gliedert sich in drei Phasen.
Die erste Phase begann ca. 1700. Aus dem Jahr 1708 existiert eine Eintragung das “1/2 Acker in Riestedt hinter Bruders Garten sind die Kohlenschächte gemacht.” und im Sterberegister der Riestedter Kirche existiert ein Eintrag von 1729 das “Ein Bergmann von Blankenheim vor hiesigen Dorffe durch böse Wetter im Steinkohle Schacht verunglückt.” (Braunkohle wurde zu dieser Zeit auch als Steinkohle bezeichnet). In dieser Phase wurde der Bergbau von den Ackerbesitzern selbst betrieben, aber auch die Gewerkschaft der Sangerhäuser Kupferhütte baute in Riestedt Kohle ab. Der Abbau durch die Gewerkschaft der Sangerhäuser Kupferhütte führte jedoch immer wieder zu Beschwerden und rechtlichen Auseinandersetzungen mit den Eigentümern. In dieser Phase fand der Abbau scheinbar nicht immer systematisch statt, da die Kohle zu dieser Zeit nicht zu Briketts weiterverarbeitet wurde (die dafür nötige Technik gab es noch gar nicht), sondern direkt so verwendet wurde, wie sie gewonnen wurde, war es nötig die Kohle als Stückkohle zu fördern. Die Kohle musste aus größeren Stücken bestehen, um in den damaligen Feuerstellen verbrannt werden zu können. War die Kohle zu fein (Klarkohle) war sie dafür nicht zu gebrauchen. Durch den nicht systematischen Abbau (später war von Raubbau die Rede), kam es aber dazu, dass zwischen den Abbauen stehengebliebene Lagerstättenbereiche durch den Gebirgsdruck so zerquetscht wurden, das die Kohle nicht mehr in Stücken abgebaut werden konnte und dadurch wertlos wurde. Die rechtliche Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft der Sangerhäuser Kupferhütte gewannen die Ackerbesitzer und diese stellte daraufhin den Abbau ein.
Dieses Bild wurde mit KI erstellt, es dient der Veranschaulichung und ist kein Bild des Riestedter Altbergbau.
Die zweite Phase begann 1837. Da schlossen 137 Kohleacker-Besitzer mit der Mansfelder Gewerkschaft eine Vereinbarung über den Abbau der Kohle auf 318 Acker Land. Sie erhielten dafür 48.000 Taler, eine Vereinbarung über den Bezug günstiger Kohle und das Recht die Abfuhr der Kohle zu übernehmen. Diese Vereinbarung führte zu einem Aufschwung für Riestedt. Das war in Emseloh nicht so, da dort lediglich das Gut Kaltenborn vom Braunkohlebergbau profitierte. Die Mansfelder Gewerkschaft errichtete als erstes einen Stollen, der das Wasser aus dem östlich von Riestedt gelegenen Abbaugebiet in den Stollengraben ableitete. Dadurch wurde es möglich, Teile der Lagerstätte abzubauen, die bisher durch Grund- und Oberflächenwässer unter Wasser gestanden hatten. Der Abbau der noch relativ oberflächennahen Flöze erfolgte über Schächte, die nur ca. 25m voneinander entfernt waren und deren Tiefe bei 10m bis 25m lag. Das waren kleine rechteckige Schächte mit Eichenbohlen-Zimmerung von denen 1/3 für Fahrten (Leitern) abgetrennt war, die restlichen 2/3 wurden für die Förderung der Kohle genutzt. Der Transport der Kohle untertage erfolgte mit Förderwagen die nicht auf Rädern sondern auf Walzen fuhren. Das war nötig, da die unter dem Kohleflöz liegende Schicht aus Ton und Kies bestand und die Räder der Förderwagen dort eingesunken wären. Der Transport untertage war sicher besonders mühevoll und kraftraubend, so lagen die Schächte eng zusammen um die untertägigen Transportwege möglichst kurz zu halten. Die Förderung der Kohle nach übertage erfolgte mittels Muskelkraft betriebener Haspel. Die Kohle wurde in einem Raum unten am Förderschacht, dem Füllort gesammelt und dann im Kübel nach oben gefördert. Wenn der Bereich abgebaut war, wurde die Zimmerung des Schachtes wieder abgebaut und der Schacht wieder verfüllt. Die Zimmerung wurde mehrfach verwendet.
Die dritte Phase wurde durch den Einsatz der Dampfkraft geprägt und begann 1856 mit der Erschließung des Abbaufeldes südlich von der ehemaligen B80. Der Abbau erfolgte nun mit einer völlig neuen Technik und Technologie. Es wurde ein zentraler Förderschacht und ein Wasserhaltungsschacht angelegt. Beide wurden mit Dampfmaschinen betrieben. Der Wasserhaltungsschacht ermöglichte nun auch eine Wasserlösung für Teile des Abbaufeldes, die unter dem Niveau des Riestedter Bachs lagen, indem das Wasser aus dem ca. 90m tiefen Schacht kontinuierlich abgepumpt wurde und somit der Wasserstand abgesenkt wurde. Der zentrale Förderschacht ermöglichte es, die Förderwagen aus dem Schacht nach oben zu fördern, ohne das die Kohle vorher umgefüllt werden musste. Allerdings bedeutete der zentrale Förderschacht, dass die Kohle untertage über wesentlich längere Strecken transportiert werden musste, dass konnte über ein System aus Hauptförderstrecken mit einem Schienensystem und den Einsatz von Pferden untertage gelöst werden. Später wurde auch übertage ein Schienensystem eingerichtet, dass den Transport der Kohle, über die Pferdebahn und den Pferdebahnstollen, zum Riestedter Bahnhof ermöglichte. Möglicherweise war das aber auch mit der Absicht verbunden, die Abfuhr der Braunkohle durch die Riestedter zum Umgehen. Denn zu dieser Zeit war das Verhältnis zwischen der Mansfelder Gewerkschaft und den Riestedtern gar nicht mehr so harmonisch. So hatte die Trockenlegung der Kohle auf der anderen Seite dazu geführt, dass die Riestedter Brunnen austrockneten und die Quelle, die mal als Heilquelle ein Bad Riestedt aus dem Ort machen sollte, versiegte. Zudem fing die Mansfelder Gewerkschaft an, den geschossenen Vertrag kreativ auszulegen und die Lieferung der vergünstigten Kohlen nur noch den Riestedtern zu zugestehen, die persönlich den Vertrag unterzeichnet hatten, aber nicht mehr den Erben, die mit dem Acker eigentlich auch diese Vergünstigung geerbt hatten. So zogen Riestedter vor Gericht und erstritten eine neue Wasserversorgung und den Bezug der vergünstigten Kohle. Aber Schwankungen in der Nachfrage und im Preis der Braunkohle und die Konkurrenz der böhmischen Steinkohle führte dazu, dass der Abbau 1894 endgültig eingestellt wurde.
Der Abbau
Der Abbau der Braunkohle erfolgte im Rückbau (von der Grenze des Abbaufeldes in Richtung des Schachtes). Das Abbaufeld wurde durch Abbaustrecken vorgerichtet, die ca. 2m breit und so hoch wie das Braunkohleflöz waren. Am Ende der Abbaustrecke wurden dann im rechten Winkel wieder mehrere Abbaustecken bis zum “alten Mann” (bis zum bereits abgebauten Feld) vorangetrieben. Auch von diesen wurden dann wieder im rechten Winkel mehrere Abbaustrecken vorangetrieben. So blieben nur noch einzelne Pfeiler stehen, die dann von hinten nach vorne abgebaut worden. Der in Linealen im Kohleflöz enthaltene Ton und anfallende Klarkohle wurden gleich wieder im Abbau versetzt (verkippt). In der dritten Phase konnte die Klarkohle dann zum Betrieb der Dampfmaschinen genutzt werden, das ermöglichte eine effektivere Nutzung der Lagerstätte. Der Vortrieb der Abbaustrecken erfolgte, indem mit einem Beil, das zwei Schneiden hatte, das Flöz auf beiden Seiten der Strecke geschlitzt wurde. Die dadurch entstehenden geraden seitlichen Stöße der Strecke trugen erheblich zu deren Stabilität bei. Dann wurden die Tonlineale aus den Flöz gekratzt. Die entstehenden Lücken ermöglichten dann das darüber hängende Flöz herunter zu brechen, dann wurde das restliche Flöz herein gebrochen. Ein großes Problem beim Abbau bildeten die durch das Trocknen der Braunkohle und des Tones entstehenden Risse, diese Risse konnten dazu führen, dass plötzlich und ohne Vorwarnung große Bruchstücke aus dem über den Flöz liegenden Tonschichten herunter stürzen konnten. Das machte den Abbau besonders gefährlich.
Das Riestedt Emseloher Braunkohlenwerk
Diese Abbildung dient als Beispiel für den Einsatz von Pferden untertage, sie ist nicht im Riestedt Emseloher Braunkohlewerk entstanden!
Quellen: Das Braunkohlen-Bergwerk bei Riestädt, von Herrn Seyfert zu Sangerhausen Beschreibung der gewerkschaftlichen Riestedt-Emseloher Braunkohlegrube vergleichsweise dargestellt mit der Braunkohlegrube Friedericke Marie & Ludwig bei Hamersleben, von A. Storter Das Dorf Riestedt, Die Geschichte der Stadt Sangerhausen, von Friedrich Schmidt Nachrichten aus Riestedt, von C.H. Selmar