Kloster Kaltenborn

Kloster Kaltenborn

Das vergessene Monument im Südharz: Das Augustiner-Chorherrenstift Kaltenborn

Einst eine der reichsten und imposantesten Klosteranlagen Mitteldeutschlands, geriet das Augustiner-Chorherrenstift Kaltenborn nach seiner Zerstörung im Bauernkrieg (1525) und der späteren Nutzung als Steinbruch fast vollständig in Vergessenheit. Die Ausgrabungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt brachten das „versunkene Kloster“ wieder ans Licht.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

Gründung: 1118 durch Graf Wichmann und seine Frau Kunigunde (Tochter des ludowingischen Stammvaters Ludwig der Springer). Orden: Augustiner-Chorherren (Priestergemeinschaft, keine Mönche). Name: Abgeleitet von „Kaltenborn“ – der kühlen, frischen Quelle im Tal des Hornburger Sattels.
Dimensionen: Die Klosteranlage erstreckte sich über ein trapezförmiges Areal von ca. 240 × 180 Metern. Die Stiftskirche war etwa 60 Meter lang und 25 bis 30 Meter breit. Blütezeit: Im 14. und 15. Jahrhundert gehörte Kaltenborn zu den vermögendsten Klöstern der Region mit Besitzungen und Rechten in über 70 Kirchspielen. Niedergang & Ende: Erstürmung im Bauernkrieg 1525, endgültige Aufhebung 1538.

Die Gründung von 1118 geht auf den Thüringer Hochadel zurück. Die Finanzierung stammte aus dem Erbe der Stifterin Kunigunde. Baukunst von hoher Qualität: Die architektonische Qualität der Kirche ließ sich bereits an rot-rosa und gelb-weißen Farbfassungen der Pfeiler sowie an romanischen Bogenfriesen ablesen, die stark an die berühmte Ulrichskirche in Sangerhausen erinnern. Das Leben im Kloster & der Konflikt vor dem Bauernkrieg Wein trinken und Wasser predigen: Die Chorherren waren strengen Regeln unterworfen (sieben tägliche Messen, Fastentage, ungeheizte Räume). Im 15. Jahrhundert weichten diese Ideale auf: Der Wohlstand führte zu Luxus wie bunt glasierten Kachelöfen, was den Unmut der hart arbeitenden Landbevölkerung schürte. Reformatoren im Ordensnetz: Auch Martin Luther gehörte zum verwandten Orden der Augustiner-Eremiten. Viele Chorherren traten während der Reformation zur neuen Lehre über, verließen das Kloster und wurden Weltpriester oder Prediger. Kaltenborn war ein primäres Ziel der aufständischen Bauern um Allstedt und Thomas Müntzer. Die Stiftsherren flohen rechtzeitig. Archäologischer Zerstörungshorizont: In den Ausgrabungsschichten zeugen geschmolzene/zerbrochene Fensterscheiben, zerschlagene Ofenkacheln, Gefäße und dicke Brandschichten direkt vom Angriff im Mai 1525. Nach 1538 diente das verlassene Kloster jahrhundertelang als Steinbruch. Schuttberge aus Mörtel und Kleinsteinen wurden liegengelassen und überdeckten die bis zu 2,5 Meter tiefen Befunde, wodurch die Fundamente unter der Erde außergewöhnlich gut konserviert wurden. Beim flachen Braunkohleabbau im 19. Jahrhundert sackte das Gelände stellenweise ab. Überliefert ist, dass dabei Skelette aus dem alten Klosterfriedhof direkt in die unterirdischen Abbau-Stollen einbrachen. Ein besonderes Fundstück bei den Ausgrabungen war ein Schreibgriffel (Mittelalterliches Schreibgerät), als Prachtfund vom Landesamt für Denkmalpflege als Fund des Monats ausgezeichnet. Münzfunde vor allem aus dem 14. und 15. Jahrhundert belegen die rege Wirtschaftstätigkeit. Weiter Funde bezeugen das im Klosterareal praktiziert Handwerk zum Beispiel Glockenguss des 12. Jahrhunderts, sowie Landwirtschaftsgeräte (Sicheln, Äxte).

Kloster Kaltenborn